Photovoltaik ab 2027 - Was sich durch das neue EEG ändert
Auf jeder zweiten PV-Website liest man gerade, dass 2027 alles anders wird. Die Wahrheit ist unspektakulärer und, ehrlich gesagt, beruhigender: Für die meisten Hausdach-Anlagen bleibt die Rechnung ähnlich. Ändern tut sich vor allem, wie sehr sich das Einspeisen im Vergleich zum Selbstverbrauchen rechnet.
Ich habe die wichtigsten Punkte zusammengestellt, damit du weißt, was 2027 wirklich auf dich zukommt, und was davon heiße Luft ist.
Die kurze Version
- Einspeisevergütung: Die Fördersätze für neue Anlagen sinken weiter leicht, sie fallen aber nicht weg.
- Eigenverbrauch: Wird noch wichtiger, weil jede selbst verbrauchte kWh mehr wert ist als jede eingespeiste.
- Ü20-Anlagen: Anlagen, die nach 20 Jahren aus der Förderung laufen, brauchen eine neue Vermarktungsstrategie.
- Speicher & Steuerung: Wer 2027 baut, plant Speicher und ein Energiemanagement gleich mit ein.
1. Die Einspeisevergütung sinkt weiter - aber langsam
Die monatliche Degression gab es schon 2026, und sie setzt sich 2027 fort. Für Überschusseinspeisung bei kleinen Dachanlagen (unter 10 kWp) liegt die Vergütung nach derzeitiger Rechnung deutlich unter dem, was du vor zwei Jahren bekommen hättest.
Was das in Euro bedeutet, zeigt die folgende Übersicht. Die Werte sind gerundete Orientierungswerte, die konkreten Sätze hängen von Inbetriebnahme-Datum und Anlagengröße ab.
| Jahr der Inbetriebnahme | Überschuss <10 kWp | Volleinspeisung <10 kWp |
|---|---|---|
| 2024 | ca. 8,1 ct/kWh | ca. 12,9 ct/kWh |
| 2025 | ca. 7,9 ct/kWh | ca. 12,6 ct/kWh |
| 2026 | ca. 7,7 ct/kWh | ca. 12,3 ct/kWh |
| 2027 (Prognose) | ca. 7,4 ct/kWh | ca. 11,9 ct/kWh |
Das klingt nach viel Verlust, ist es aber nicht. Die Vergütung wird für 20 Jahre garantiert, wenn die Anlage in Betrieb geht. Wer 2026 noch schnell baut, sichert sich den etwas höheren Satz dauerhaft. Details dazu im Artikel Einspeisevergütung 2026.
2. Eigenverbrauch wird der wichtigere Hebel
Bei einem Strompreis von rund 35 Cent pro kWh und einer Einspeisevergütung von rund 7,4 Cent pro kWh liegt die Sache auf der Hand: Jede kWh, die du selbst verbrauchst, bringt dir fast fünfmal so viel wie die Einspeisung.
Deshalb verschiebt sich das ganze Rechenmodell. 2027 lohnt sich eine PV-Anlage nicht mehr über den Verkauf von Strom, sondern über die Vermeidung von Netzbezug. Das war schon 2026 so, wird aber noch deutlicher.
Was das für deine Planung heißt
- Anlagengröße: Lieber den Eigenverbrauch optimieren als maximal viel Fläche belegen.
- Speicher: Ein Speicher holt den Strom in die Abendstunden. Bei sinkender Vergütung steigt sein Wert.
- Große Verbraucher: Wärmepumpe und E-Auto gezielt in die Mittagszeit legen.
Wie du das konkret steuerst, steht im Artikel Eigenverbrauch optimieren.
3. Was passiert mit Ü20-Anlagen?
Anlagen, die nach 20 Jahren aus der EEG-Förderung fallen, bekommen keinen Anschluss-Tarif mehr in alter Höhe. Sie müssen ihren Strom anders verwerten. Drei Wege gibt es:
- Direktvermarktung: Der Strom wird an der Börse verkauft. Bei kleinen Anlagen meist nicht wirtschaftlich.
- Eigenverbrauch erhöhen: Nachrüsten von Speicher und Verbrauchern, um möglichst wenig einzuspeisen.
- Weiterbetrieb ohne Vergütung: Für viele Anlagen trotzdem sinnvoll, weil der Strom selbst verbraucht wird.
Für Betreiber mit alten Anlagen ist das der wichtigste Punkt. Die Anlage selbst läuft meist noch jahrelang weiter, nur die Vergütung entfällt. Wer rechtzeitig umbaut, verliert weniger.
4. Speicher und Steuerung: 2027 Standard, nicht Extra
Wer 2027 eine Anlage plant, plant den Speicher gleich mit. Nicht weil es vorgeschrieben wäre, sondern weil es die Rechnung verbessert. Dazu kommen steuerbare Verbrauchseinrichtungen und dynamische Tarife, die das Laden des Speichers noch günstiger machen.
Wichtig zu wissen: Die Vorgaben für steuerbare Verbraucher und die Netzentgelt-Themen betreffen nicht jeden. Wer eine kleine Anlage ohne Speicher betreibt, bleibt meist außen vor. Wer größer plant, sollte sich damit beschäftigen.
Meine Einschätzung: Kein Grund zur Panik, aber ein Grund zu planen
Die Überschrift „2027 wird alles anders“ ist gut für Klicks, aber sie stimmt so nicht. Die Förderung bleibt, sie wird nur etwas niedriger. Wer die Anlage auf Eigenverbrauch auslegt, merkt von der sinkenden Vergütung kaum etwas.
Wenn du sowieso über eine Anlage nachdenkst, ist 2026 für die Inbetriebnahme noch interessant, weil du dir den höheren Vergütungssatz für 20 Jahre sicherst. Aber ein paar Wochen später wird daraus kein schlechtes Geschäft.
Rechne einfach selbst durch, was bei deinem Dach und deinem Verbrauch herauskommt, statt dich auf Schlagzeilen zu verlassen.
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