PV-Anlage mieten oder kaufen 2026: Was lohnt sich mehr?
Mein Nachbar hat seine Anlage gemietet, ich habe gekauft. Nach vier Jahren kennen wir beide unsere Zahlen, und die Geschichte ist nicht so eindeutig, wie die Werbung auf beiden Seiten tut. Die Miete ist nicht der Betrug, für den manche sie halten, und der Kauf ist nicht automatisch der bessere Deal. Es hängt an einer einzigen Frage: Wie lange bleibt die Anlage auf deinem Dach, und wem gehört sie danach?
In diesem Artikel rechne ich beide Wege mit denselben Zahlen durch, damit du nicht Äpfel mit Birnen vergleichst. Der Unterschied liegt nämlich selten im Monatsbeitrag, sondern im Eigentum am Ende der Laufzeit.
Der Unterschied in einem Satz
Beim Kaufen besitzt du die Anlage ab Tag eins und trägst selbst das Risiko. Beim Mieten besitzt sie 20 Jahre lang jemand anders, du zahlst eine feste Monatsrate, und die Anlage geht am Ende entweder zurück oder du kaufst sie zu einem Restwert. Das klingt harmlos, ist aber der Kern des ganzen Vergleichs.
Wer die Anlage besitzt, kassiert die Erträge, die Einspeisevergütung und den Wertzuwachs. Wer sie mietet, zahlt dafür, dass er sich um nichts kümmern muss. Beides kann seinen Preis wert sein, nur sollte man ihn kennen.
Was Mieten über 20 Jahre wirklich kostet
Ein typisches Mietangebot für eine 10-kWp-Anlage mit Speicher liegt 2026 bei rund 130 bis 180 Euro pro Monat, je nach Anbieter und Modell. Über 20 Jahre läppert sich das gewaltig:
| Posten | Miete (20 Jahre) | Kauf |
|---|---|---|
| Einmalige Kosten | 0 Euro | ca. 16.000 Euro (schlüsselfertig) |
| Monatliche Rate | ca. 150 Euro | 0 bis 100 Euro (bei Kredit) |
| Summe nach 20 Jahren | ca. 36.000 Euro | ca. 16.000 Euro plus Zinsen |
| Eigentum danach | beim Anbieter | bei dir |
| Erträge bis dahin | gehen an den Anbieter | gehen an dich |
Das ist die Zahl, die Mietanbieter ungern groß drucken: Über die Laufzeit zahlst du oft das Doppelte des Kaufpreises, und besitzt am Ende nichts. Dafür musst du dich um Reparatur, Versicherung, Wechselrichter-Tausch und Monitoring nicht kümmern, weil das vertraglich beim Anbieter liegt.
Die Grundkosten einer gekauften Anlage habe ich in PV-Anlage Kosten 2026 aufgeschlüsselt, damit du die 16.000 Euro realistisch einordnen kannst.
Was Kaufen wirklich kostet
Beim Kauf zahlst du einmal, und danach arbeitet die Anlage für dich. Die Rechnung ist simpel:
- Anlagenpreis: 1.400 bis 1.900 Euro pro kWp, schlüsselfertig
- Laufende Kosten: Versicherung, Rücklage für den Wechselrichter, gelegentlich Reinigung. Rechne mit 150 bis 250 Euro im Jahr
- Ertrag: Eine 10-kWp-Anlage erzeugt in Süddeutschland rund 10.000 kWh pro Jahr
Nach etwa 11 bis 13 Jahren hat sich die Anlage amortisiert. Danach hast du 12 bis 17 Jahre lang reine Erträge, und die Anlage gehört weiterhin dir. Finanzierst du statt bar zu zahlen, kommt ein Zinseffekt dazu, den du sauber durchrechnen solltest. Wie das genau geht, steht in Photovoltaik Finanzierung Rechner.
Wann Mieten tatsächlich sinnvoll ist
Ich bin kein Gegner der Miete. Es gibt drei Konstellationen, in denen sie berechtigt ist:
- Kein Kapital und kein Kredit: Wer weder Eigenkapital noch die Bonität für einen Kredit hat, bekommt über die Miete trotzdem eine Anlage aufs Dach.
- Kein Interesse an Technik: Wer sich mit Monitoring, Tausch und Papierkram wirklich nicht befassen will, kauft sich mit der Miete Bequemlichkeit. Das ist legitim, hat nur seinen Preis.
- Kurzfristige Bleibeperspektive mit Risiko: Wer in zwei Jahren verkaufen will und das Dach nicht belasten möchte, kann mit einem Mietvertrag flexibler sein. Genau prüfen, ob der Vertrag beim Verkauf übertragbar ist.
Außerhalb dieser Fälle spricht fast alles für den Kauf. Wer das Geld hat und bleiben will, fährt mit dem Eigenbesitz über 20 Jahre in praktisch jeder Rechnung besser.
Die versteckten Punkte im Mietvertrag
Wenn du doch mietest, lies diese drei Punkte doppelt:
- Laufzeit und Kündigung: Viele Verträge binden dich 20 Jahre. Ein vorzeitiger Ausstieg ist oft teuer. Wie flexibel willst du bleiben?
- Preisanpassung: Manche Verträge haben eine Indexklausel, die die Rate jährlich erhöht. Eine feste Rate ist deutlich planbarer.
- Übernahme am Ende: Was passiert nach der Laufzeit? Rückbau, Restwertkauf oder Vertragsverlängerung? Kläre das vorher, nicht danach.
Ein sauberer Vertrag beantwortet diese Fragen schriftlich. Wer dir sagt, das regelt sich alles später, meint meistens: zu deinem Nachteil.
Der Vergleich mit dem Gesamtangebot lohnt vorher
Bevor du dich für Miete oder Kauf entscheidest, solltest du überhaupt wissen, wie dein Kaufangebot aussieht. Viele Installateure bieten dieselbe Anlage zu sehr unterschiedlichen Preisen an. Ein Blick auf mehrere Angebote relativiert manchen Mietpreis sofort. Wie du Angebote vergleichst, zeigt PV-Komplettangebot Vergleich.
Fazit: Die Miete kauft Bequemlichkeit, der Kauf Vermögen
Über 20 Jahre kostet die Miete meist das Doppelte, und am Ende besitzt du nichts. Der Kauf verlangt eine höhere Anfangsinvestition und mehr Eigenverantwortung, dafür gehört dir die Anlage und du kassierst die Erträge doppelt so lange wie die Amortisation dauert. Wer das Kapital hat und langfristig plant, sollte kaufen. Wer kein Kapital hat oder absolute Bequemlichkeit will, darf mieten, sollte aber wissen, was er dafür zahlt.
Die wichtigste Zahl in diesem Vergleich ist nicht die Monatsrate, sondern die Summe nach 20 Jahren plus die Frage, wem die Anlage dann gehört. Rechne beides mit deinen eigenen Werten durch, bevor du unterschreibst.
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