Mieterstrom 2026: Solarstrom vom Dach an Mieter verkaufen

📅 28. Oktober 2026 · 📂 Photovoltaik · MieterstromMehrfamilienhausVermietung

Die Einspeisevergütung ist 2026 so niedrig, dass sich eine PV-Anlage auf dem eigenen Einfamilienhaus fast nur noch über den Eigenverbrauch rechnet. Wer ein Mehrfamilienhaus besitzt, sitzt dagegen auf einem stillen Vorteil: Er hat nicht einen Verbraucher, sondern gleich zehn oder zwanzig. Genau da setzt Mieterstrom an, und das Modell wird 2026 wieder deutlich attraktiver, weil der Abstand zwischen Einspeisevergütung und Strompreis so groß ist wie nie.

Die Kehrseite: Mieterstrom ist kein Produkt, das man einfach mitbestellt. Du wirst zum Energieversorger, mit Abrechnung, Messkonzept und Lieferantenpflichten. Hier steht, was das Modell wirklich abwirft, wo der Aufwand liegt und wann du besser die Finger davon lässt.

Was Mieterstrom genau ist

Mieterstrom bedeutet: Du erzeugst Strom auf dem Dach eines Gebäudes mit Mietwohnungen und lieferst diesen Strom direkt an die Mieter im selben Gebäude. Der Strom läuft dabei nicht durch das öffentliche Netz, sondern bleibt hinter dem Hausanschluss. Deshalb fallen auf diesen Anteil keine Netzentgelte, keine Stromsteuer und keine Konzessionsabgabe an.

Wichtig ist die Abgrenzung zu zwei Modellen, die oft in einen Topf geworfen werden:

Die drei Modelle im direkten Vergleich

PunktMieterstromGGB (§42b EnWG)Energy Sharing (§42c EnWG)
Wer liefertVermieter oder Dienstleister als LieferantGemeinschaft der MieterAnlagenbetreiber an externe Abnehmer
Netznutzungneinneinja, mit Erleichterungen
FörderungMieterstromzuschlagkeinekeine
Aufwandhochmittelmittel bis hoch
Wer trägt das RisikoVermieter, inklusive Zahlungsausfälledie Gemeinschaftder Anlagenbetreiber

Für die meisten Mehrfamilienhäuser unter etwa zehn Einheiten ist die GGB inzwischen der einfachere Weg. Mieterstrom rechnet sich vor allem dort, wo du die Reststromlieferung sowieso organisieren willst oder kannst, also bei größeren Objekten, Quartieren oder wenn ein Dienstleister die komplette Abwicklung übernimmt.

Was du als Vermieter tatsächlich verdienst

Der Reiz liegt nicht in der Förderung, sondern in der Marge. Der Mieterstromzuschlag ist in den letzten Jahren Stück für Stück gesunken und macht allein längst kein Geschäftsmodell mehr aus. Entscheidend ist der Unterschied zwischen deinen Gestehungskosten und dem Preis, den du Mietern berechnen darfst.

Eine Beispielrechnung für ein Mehrfamilienhaus mit zehn Wohnungen und einer 20 kWp-Anlage in Süddeutschland:

Bleibt eine Bruttomarge von grob 15 bis 19 Cent pro verkaufter Kilowattstunde. Davon gehen Abrechnung, Messstellenbetrieb und der Aufwand für die Reststromlieferung ab, sodass netto meist 4 bis 8 Cent übrig bleiben. Bei 11.000 kWh sind das 450 bis 900 Euro im Jahr, zusätzlich zu dem, was du für den eingespeisten Rest bekommst.

Klingt nach wenig? Der eigentliche Effekt ist ein anderer: Ohne Mieterstrom würdest du die gesamte Erzeugung für die aktuelle Einspeisevergütung abgeben müssen, siehe Einspeisevergütung 2026. Mit Mieterstrom refinanzierst du rund zwei Drittel deiner Anlage über den Strompreis statt über die Einspeisung. Die Amortisation rutscht dadurch typischerweise von 16 bis 20 Jahren auf 10 bis 13 Jahre. Das ist der Punkt, an dem sich die Anlage überhaupt erst lohnt.

Die Rechtslage hat sich bewegt

Wer 2026 einsteigt, sollte nicht mit dem Kenntnisstand von 2023 planen. Drei Entwicklungen haben das Feld in den letzten zwei Jahren umgepflügt:

Das heißt nicht, dass Mieterstrom unsicher ist. Es heißt, dass die Vertragsgestaltung aktuell sein muss. Ein Modell, das 2023 sauber war, kann 2026 an einer Detailregel scheitern.

Der Aufwand, den fast alle unterschätzen

Die Technik ist einfach, die Verwaltung nicht. Vier Punkte kosten Zeit und Geld:

  1. Messkonzept: Du brauchst einen Zähler, der sauber trennt, was aus dem Dach kommt und was aus dem Netz. Bei mehreren Mietparteien wird das schnell zum virtuellen Summenzähler oder zu Unterzählern, und ohne Messstellenbetreiber geht es nicht.
  2. Abrechnung: Jede Partei braucht eine eigene Abrechnung mit Solarstromanteil und Reststrom. Das macht in der Praxis fast immer ein Dienstleister, mit Kosten pro Zähler und Jahr.
  3. Lieferantenpflichten: Als Mieterstromlieferant übernimmst du Pflichten aus dem Energiewirtschaftsrecht, von der Kennzeichnung des Stroms bis zur Meldung an die Bundesnetzagentur. Das ist kein Nebensatz im Mietvertrag.
  4. Zahlungsausfälle und Mieterwechsel: Du trägst das Risiko, nicht der Netzbetreiber. Bei Leerstand und häufigen Wechseln frisst das einen Teil der Marge.

Wer das unterschätzt, rechnet die Anlage schön und verliert das Geld in der Verwaltung. Der Artikel zu den PV-Anlagen Kosten hilft dabei, die Investitionsseite realistisch zu beziffern, aber die Betriebskosten des Mieterstrommodells musst du separat kalkulieren.

Wann Mieterstrom Sinn ergibt, und wann nicht

Die ehrliche Checkliste:

Und was ist mit dir als Mieter?

Auch als Mieter lohnt der Blick. Mieterstromtarife liegen in der Regel deutlich unter dem Grundversorgungstarif, weil Netzentgelte und Umlagen auf den Solaranteil weitgehend entfallen. Du zahlst also weniger für Strom, der im selben Haus produziert wird. Nachteil: Du bindest dich an einen Anbieter, und der Reststrompreis ist manchmal weniger attraktiv als bei einem freien Wechsel.

Wenn dein Vermieter das Thema anspricht, frag nach zwei Zahlen: Wie hoch ist der Solaranteil an deinem Verbrauch, und was kostet die Kilowattstunde Reststrom? Erst damit kannst du den Tarif mit einem normalen Ökostromtarif vergleichen.

Fazit: Rechnen, dann reden

Mieterstrom ist 2026 kein Förderprojekt mehr, sondern ein Geschäftsmodell mit dünner, aber planbarer Marge. Der Gewinn entsteht nicht durch den Zuschlag, sondern dadurch, dass du deinen Solarstrom zu einem Preis verkaufst, der zwischen Gestehungskosten und normalem Strompreis liegt. Wer ein passendes Objekt hat und den Verwaltungsaufwand nicht scheut, verbessert seine Rendite deutlich. Wer nur eine Anlage bauen will und keine Lust auf Abrechnung hat, sollte über die GGB nachdenken oder es bleiben lassen.

In jedem Fall gilt: Erst die Zahlen der eigenen Anlage kennen, dann das Modell wählen. Wie viel dein Dach wirklich hergibt, zeigt dir der Rechner.

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