Photovoltaik Rendite berechnen 2026: So geht's Schritt für Schritt
Ob sich eine Solaranlage lohnt, entscheidet nicht der Kaufpreis allein, sondern die Rendite. Klingt banal, ist es aber nicht: Ich sehe regelmäßig Angebote, bei denen Anlagen mit dem gleichen Preis eine völlig unterschiedliche Rendite abwerfen, weil Eigenverbrauch, Speicher und Strompreisannahmen komplett anders gerechnet werden.
Die gute Nachricht: Du brauchst für diese Rechnung kein Excel-Studium. Mit vier Grundgrößen und zwei Formeln kommst du zu einer ehrlichen Zahl. In diesem Artikel rechne ich das einmal komplett durch, damit du deine eigene Anlage bewerten kannst.
Was "Rendite" bei Photovoltaik wirklich bedeutet
Der Begriff wird oft schwammig verwendet. Bei PV-Anlagen sind drei Kennzahlen wichtig, und sie beantworten unterschiedliche Fragen:
| Kennzahl | Frage | Typischer Wert 2026 |
|---|---|---|
| Amortisationszeit | Nach wie vielen Jahren ist das Geld zurück? | 10 bis 14 Jahre |
| Eigenkapitalrendite | Was bringt mein eingesetztes Geld pro Jahr? | 5 bis 8 Prozent |
| Gesamtgewinn | Was bleibt über die Lebensdauer übrig? | 15.000 bis 30.000 Euro |
Wer nur auf die Amortisation schaut, übersieht etwas Wichtiges: Eine Anlage, die sich nach 12 Jahren rechnet und danach noch 18 Jahre Strom liefert, ist wirtschaftlich deutlich besser als eine, die nach 10 Jahren amortisiert ist und dann nach 5 Jahren ausfällt. Deshalb rechne ich immer alle drei Kennzahlen, nicht nur eine.
Die vier Zahlen, die du brauchst
Bevor du rechnest, sammle diese Werte. Ohne sie ist jede Renditezahl geraten.
- Investition: Anlagenpreis schlüsselfertig, abzüglich Förderungen. 2026 liegen schlüsselfertige Anlagen bei rund 1.400 bis 1.900 Euro pro kWp. Eine Aufschlüsselung findest du in PV-Anlage Kosten 2026.
- Jahresertrag: In Süddeutschland etwa 950 bis 1.050 kWh pro kWp. Ein 10-kWp-Dach liefert also rund 10.000 kWh im Jahr.
- Eigenverbrauchsquote: Ohne Speicher 25 bis 35 Prozent, mit Speicher 50 bis 70 Prozent.
- Strompreis: Der Preis, den du sonst für zugekauften Strom zahlst, aktuell meist 0,28 bis 0,35 Euro pro kWh.
Schritt 1: Den Jahresertrag in Geld umrechnen
Das ist der Kern jeder Renditerechnung. Die Anlage erzeugt Strom, und dieser Strom hat zwei verschiedene Werte: den vollen Strompreis beim Eigenverbrauch, und die Einspeisevergütung beim Verkauf.
Jahresertrag in Euro = (Eigenverbrauch x Strompreis) + (Eingespeiste Menge x Einspeisevergütung)
Ein konkretes Beispiel für eine 10-kWp-Anlage in München:
| Posten | Wert |
|---|---|
| Jahresertrag | 10.000 kWh |
| Eigenverbrauch (mit Speicher, 55 Prozent) | 5.500 kWh |
| Vermiedene Stromkosten | 5.500 x 0,32 Euro = 1.760 Euro |
| Einspeisung (45 Prozent) | 4.500 x 0,075 Euro = 338 Euro |
| Jahresertrag gesamt | rund 2.098 Euro |
Der Unterschied zwischen Eigenverbrauch und Einspeisung ist gewaltig: Dieselbe Kilowattstunde bringt dir selbst verbraucht über 0,32 Euro, eingespeist aber nur rund 0,075 Euro. Deshalb ist jede Maßnahme, die den Eigenverbrauch erhöht, ein direkter Renditetreiber. Wie stark ein Speicher hier wirkt, zeigt Photovoltaik Speicher: sinnvoll oder nicht?.
Schritt 2: Die laufenden Kosten abziehen
Jetzt kommt der Teil, den viele Rechner schönrechnen. Von den 2.098 Euro Ertrag gehen jedes Jahr Kosten ab:
| Laufende Kosten | Pro Jahr |
|---|---|
| Versicherung | 80 bis 150 Euro |
| Rücklage Wechselrichter (nach 12 bis 15 Jahren fällig) | 60 bis 100 Euro |
| Reinigung (optional) | 0 bis 80 Euro |
| Summe | rund 200 bis 300 Euro |
Bleiben also netto rund 1.800 bis 1.900 Euro pro Jahr. Diese Zahl ist wichtiger als der Bruttoertrag, denn sie ist das, was tatsächlich hängen bleibt. Wie viel die einzelnen Posten kosten, schlüsselt PV-Anlage Wartungskosten auf.
Schritt 3: Die Amortisation berechnen
Ein Rechenschritt, den du im Kopf kannst:
Amortisation = Nettoinvestition / Jahresnettoertrag
Nehmen wir eine Investition von 16.000 Euro nach Förderung und 1.850 Euro Nettoertrag pro Jahr. Dann gilt: 16.000 / 1.850 = etwa 8,6 Jahre. Bei einer Lebensdauer von 25 bis 30 Jahren bleiben also über 16 Jahre reiner Ertrag. Das ist die Basis, auf der die Rendite steht.
Warum 2026 für viele Anlagen ein besonders gutes Jahr ist, hängt mit den Rahmenbedingungen zusammen. Die Einspeisevergütung sinkt jährlich, aber die Anlagenpreise sind stärker gefallen. Wer die aktuellen Werte kennt, rechnet genauer, siehe Einspeisevergütung 2026.
Schritt 4: Die Eigenkapitalrendite
Die Amortisation sagt dir, wann das Geld zurück ist. Sie sagt dir aber nicht, wie gut dein Einsatz verzinst wird. Dafür brauchst du die Eigenkapitalrendite. Sie ist der durchschnittliche jährliche Gewinn geteilt durch dein eingesetztes Eigenkapital.
Eigenkapitalrendite = (Gesamtgewinn / Jahre) / Eigenkapital
Ein Beispiel: Über 25 Jahre erwirtschaftet die Anlage netto 46.250 Euro (1.850 x 25) und kostet 16.000 Euro. Der Gewinn über die Laufzeit liegt also bei rund 30.000 Euro, also 1.200 Euro pro Jahr. Zahlst du alles bar, hast du eine Eigenkapitalrendite von 1.200 / 16.000 = 7,5 Prozent pro Jahr. Das ist, langfristig und mit geringem Risiko, ein sehr guter Wert.
Finanzierst du dagegen mit 5,5 Prozent Kredit und setzt nur 4.000 Euro Eigenkapital ein, steigt die Eigenkapitalrendite rechnerisch, weil der Kredithebel wirkt, aber du trägst dann auch das Zinsrisiko. Die Details dieser Rechnung stehen in Photovoltaik Finanzierung Rechner.
Häufige Rechenfehler
Drei Fehler sehe ich immer wieder, und alle drei blähen die Rendite auf, statt sie ehrlich zu zeigen:
- Strompreissteigerung zu hoch angesetzt: Manche Rechner nehmen 5 Prozent pro Jahr an. Realistisch sind eher 1 bis 3 Prozent. Ein zu hoher Wert verbessert die Rendite künstlich.
- Eigenverbrauch zu optimistisch: Eine 60-Prozent-Quote ohne Speicher ist unrealistisch. Prüfe, was du in deinem Alltag tatsächlich verbrauchst, wenn die Sonne scheint.
- Wechselrichter vergessen: Nach 12 bis 15 Jahren fällt meist eine vierstellige Investition an. Wer sie nicht einplant, rechnet die Rendite zu hoch.
Ein ehrlicher Rechner zeigt diese Positionen offen. Genau deshalb lohnt es sich, die eigenen Annahmen mit einem transparenten Tool zu prüfen, statt dem Verkaufsprospekt zu vertrauen.
Fazit: Rendite ist eine Rechnung, keine Meinung
Photovoltaik-Rendite ist kein Hexenwerk. Du brauchst deine Investition, deinen Ertrag, deinen Eigenverbrauch und deinen Strompreis. Daraus rechnest du den Jahresertrag, ziehst die laufenden Kosten ab, teilst die Investition durch den Nettoertrag und kennst deine Amortisation. Für die Eigenkapitalrendite setzt du den jährlichen Gewinn ins Verhältnis zu deinem Einsatz.
Wenn diese Zahlen für sich sprechen, ist die Anlage wirtschaftlich. Wenn nicht, liegt es fast immer an zu optimistischen Annahmen oder an Kosten, die unter den Tisch gefallen sind. Prüfe deine eigenen Werte, bevor du unterschreibst.
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