Solarertrag berechnen: So ermittelst du die Leistung deiner Photovoltaikanlage

📅 17. Juli 2026 · 📂 Photovoltaik · ErtragBerechnungPlanung

Die wichtigste Zahl vor jeder Photovoltaik-Investition ist der Solarertrag. Sie entscheidet, ob sich die Anlage in 8 oder in 14 Jahren amortisiert. Die gute Nachricht: Eine realistische Ertragsprognose bekommst du mit einer einfachen Formel und drei Standortfaktoren hin, ohne Studium und ohne teure Software.

Ich zeige dir, wie du den Ertrag deiner PV-Anlage selbst berechnest und wo die üblichen Prognosefehler lauern.

Die Grundformel: kWp mal spezifischer Ertrag

Der Jahresertrag einer Photovoltaikanlage berechnet sich so:

Anlagenleistung in kWp x spezifischer Ertrag in kWh pro kWp = Jahresertrag in kWh

Der spezifische Ertrag beschreibt, wie viel eine Kilowatt installierter Leistung an deinem Standort im Jahr liefert. In Deutschland liegt er je nach Region zwischen 900 und 1.100 kWh pro kWp:

Diese Werte gelten für eine optimale Ausrichtung nach Süden mit 30 bis 35 Grad Neigung. Weicht dein Dach davon ab, rechnest du mit den Faktoren aus dem nächsten Abschnitt.

Beispielrechnung: 8-kWp-Anlage in Bayern

Nehmen wir eine typische Einfamilienhaus-Anlage mit 8 kWp in Oberbayern:

Bei einem Strompreis von 35 Cent und 30% Eigenverbrauch ergibt das eine jährliche Ersparnis von rund 880 Euro plus rund 460 Euro Einspeisevergütung (bei 7,78 Cent für die restlichen 70%). Mit Anlagenkosten von 14.000 Euro liegt die Amortisation bei etwa 10 Jahren, danach arbeitet die Anlage 15 bis 20 Jahre nahezu kostenlos.

Ein 10-kWp-Set auf demselben Dach liefert entsprechend 10.500 kWh, ein 5-kWp-Set 5.250 kWh. Die Rechnung ist linear, solange Standort und Ausrichtung gleich bleiben.

Die drei Standortfaktoren: Ausrichtung, Neigung, Verschattung

Nicht jedes Dach zeigt nach Süden. Diese Faktoren korrigieren deine Rechnung:

AusrichtungFaktor bei 30-35 Grad Neigung
Süd1,00 (Referenz)
Südost / Südwest0,94 bis 0,97
Ost / West0,85 bis 0,90
Nordost / Nordwest0,65 bis 0,75
Nord0,50 bis 0,60 (meist unwirtschaftlich)

Die Neigung spielt eine kleinere Rolle: Zwischen 20 und 45 Grad verlierst du kaum Ertrag, erst bei Flachdächern unter 10 Grad oder steilen Fassaden unter 70 Grad wird es deutlich weniger. Interessant: Eine Ost-West-Belegung liefert zwar 10 bis 15% weniger Gesamtertrag als Süd, dafür aber Strom über den ganzen Tag verteilt, was den Eigenverbrauch erhöht. Mehr zur Modulwahl findest du im Artikel PV-Module im Vergleich 2026.

Verschattung ist der Faktor, den Laien am meisten unterschätzen. Schon ein Kamin, ein Baum oder eine Antenne, die mittags Schatten wirft, kostet 5 bis 15% Ertrag. Verschattete Teilflächen lassen sich mit Optimierern oder einer geschickten String-Planung entschärfen, aber eine ehrliche Standortprüfung gehört vor jede Berechnung.

Der Performance Ratio: Planung gegen Realität

Die Formel oben liefert den theoretischen Ertrag. Die Realität liegt darunter, weil Wechselrichterverluste, Kabelverluste, Modultemperatur und Verschmutzung den Ertrag schmälern. Das Verhältnis zwischen realem und theoretischem Ertrag nennt man Performance Ratio (PR).

Gute Anlagen erreichen einen PR von 80 bis 85%, sehr gute 88%. Für deine Planung rechnest du deshalb sicherheitshalber mit 80 bis 85% des berechneten Werts. Aus den 8.400 kWh werden so realistische 6.700 bis 7.100 kWh pro Jahr. Wenn dir ein Anbieter 90% und mehr verspricht, frag nach, wie er das begründet.

Ertrag über die Jahre: Die Degradation

Ein weiterer Punkt für die Langzeitrechnung: Module verlieren jedes Jahr ein wenig Leistung. Moderne Module degradieren um 0,3 bis 0,5% pro Jahr. Nach 20 Jahren hat eine gute Anlage also noch 90 bis 94% ihrer Anfangleistung.

Für die Gesamtrechnung heißt das: Der Ertrag im Jahr 1 ist der höchste, danach sinkt er langsam. Wer auf 25 Jahre rechnet, sollte den Ertrag des letzten Jahres mit 85 bis 90% des Erstwerts ansetzen. Die Investition bleibt trotzdem attraktiv, weil der Strompreis in der Regel schneller steigt als der Ertrag sinkt.

Monatserträge: So verteilt sich der Ertrag übers Jahr

Der Jahreswert allein sagt wenig über deinen Alltag aus, denn der Ertrag ist extrem ungleich verteilt. Für eine 8-kWp-Anlage in Süddeutschland mit 8.400 kWh Jahresertrag sieht die Verteilung in etwa so aus:

MonatErtrag in kWhAnteil am Jahresertrag
Januar / Februar150 bis 250je ca. 2 bis 3%
März / April550 bis 750je ca. 7 bis 9%
Mai bis August900 bis 1.100je ca. 11 bis 13%
September / Oktober550 bis 700je ca. 7 bis 8%
November / Dezember100 bis 200je ca. 1 bis 2%

Die vier Sommermonate liefern also fast die Hälfte des Jahresertrags. Wer den Strom im Winter braucht, muss ihn speichern oder aus dem Netz kaufen, wer im Sommer viel verbraucht, profitiert doppelt. Diese Verteilung ist auch der Grund, warum die Kombination mit einem Speicher oder einem E-Auto so viel bewirkt: Sie verschiebt den Sommerüberschuss in die verbrauchsstarken Zeiten.

Tools für die präzise Berechnung

Für eine erste Abschätzung reicht die Formel aus diesem Artikel. Wenn es genauer sein soll, helfen dir diese Werkzeuge:

Die Ertragsprognose ist die halbe Miete, die andere Hälfte sind die Kosten. Die aktuellen Preise pro kWp und die Einsparpotenziale findest du im Artikel PV-Anlage Kosten 2026. Mit Ertrag und Kosten kannst du dann die Amortisation sauber durchrechnen, und genau das macht unser Rechner für dich.

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