Photovoltaik im Winter 2026: Ertrag, Schnee und die ehrliche Rechnung

📅 26. Oktober 2026 · 📂 Ratgeber · WinterErtragSchnee

Jedes Jahr im November kommt sie wieder, die Frage aus dem Bekanntenkreis: "Und, bringt die Anlage jetzt überhaupt noch was?" Die ehrliche Antwort lautet ja, aber deutlich weniger als im Juni. Und trotzdem ist der Winter der Zeitraum, in dem sich entscheidet, ob sich deine Anlage rechnet oder nicht, denn hier liegt dein Verbrauch am höchsten und deine Erzeugung am niedrigsten.

Ich rechne in diesem Beitrag durch, was eine typische Anlage in Süddeutschland im Winterhalbjahr wirklich produziert, ob Schneeräumen sinnvoll ist und warum kalte Module tatsächlich etwas besser laufen als heiße.

Wie viel Ertrag bleibt im Winter übrig?

Als Faustregel gilt: Von November bis Februar produzieren die meisten Anlagen in Deutschland zusammen etwa 15 bis 20 Prozent ihres Jahresertrags. Die einzelnen Monate sind dabei sehr ungleich verteilt.

MonatAnteil am JahresertragBeispiel bei 10 kWp in München
Oktoberca. 8 Prozentrund 800 kWh
Novemberca. 4 Prozentrund 400 kWh
Dezemberca. 2 bis 3 Prozentrund 250 kWh
Januarca. 3 bis 4 Prozentrund 350 kWh
Februarca. 5 bis 6 Prozentrund 550 kWh
Juni (zum Vergleich)ca. 13 Prozentrund 1.300 kWh

Der Dezember ist also der Problemmonat. Eine 10-kWp-Anlage, die im Jahr rund 10.000 kWh macht, liefert im Dezember oft nur 200 bis 300 kWh. Das sind im Tagesmittel acht bis zehn Kilowattstunden. Bei einem Haushalt mit Wärmepumpe und E-Auto ist das ein Tropfen auf den heißen Stein, und genau deshalb ist die Eigenverbrauchsoptimierung im Winter mehr eine Frage der Lastverschiebung als der Erzeugung.

Warum kalte Module besser laufen als heiße

Das überrascht viele: Photovoltaikmodule verlieren bei Hitze Leistung. Ein Modul, das bei 25 Grad Zelltemperatur seine Nennleistung von 400 Watt bringt, liefert bei 65 Grad Zelltemperatur im Hochsommer nur noch etwa 340 bis 360 Watt. Der Temperaturkoeffizient liegt typischerweise bei minus 0,3 bis minus 0,35 Prozent pro Grad.

Im Winter ist das umgekehrt ein Vorteil. Ein sonniger, kalter Januartag mit minus 5 Grad und klarer Luft kann Module auf fast ihre Nennleistung bringen, manchmal sogar kurz darüber. Das Problem ist nicht die Temperatur, sondern der flache Sonnenstand und die kurze Tageslänge. In München liegt die Sonne Ende Dezember mittags nur etwa 18 Grad über dem Horizont. Bei einem 30-Grad-Dach fällt das Licht dann sehr flach ein.

Dazu kommt der Wetterfaktor: Dezember und Januar sind in Bayern statistisch die nebelreichsten Monate. Selbst ein perfekt ausgerichtetes Dach bringt bei geschlossener Hochnebeldecke nur ein paar Prozent der Nennleistung. Das ist keine Fehlfunktion deiner Anlage, sondern einfach Physik.

Schnee auf den Modulen: Was wirklich passiert

Der Klassiker im Winter ist die Frage, ob man die Module vom Schnee befreien soll. Dazu drei Dinge, die du wissen solltest:

1. Bei normaler Dachneigung rutscht der Schnee meist von selbst

Ab etwa 30 Grad Neigung rutscht trockener Schnee bei Sonneneinstrahlung relativ zuverlässig ab, weil die dunklen Module sich erwärmen und die Rückseite des Schnees antauen. Bei flachen Dächern unter 20 Grad bleibt der Schnee dagegen oft tagelang liegen. Das ist einer der Gründe, warum Flachdach-Anlagen im Winter etwas schwächer dastehen.

2. Räumen ist selten wirtschaftlich

Rechne es einmal durch: Ein verschneiter Januartag kostet dich bei einer 10-kWp-Anlage vielleicht fünf bis acht Euro Stromwert. Wenn du für das Räumen einen Dachdecker holst, kostet der Besuch mehr als der Ertrag des gesamten Monats. Bei einer Anlage auf dem Einfamilienhaus lohnt Räumen wirtschaftlich praktisch nie.

3. Das Verletzungsrisiko ist der eigentliche Punkt

Ein verschneites Dach ist eine der häufigsten Unfallursachen im Hausbereich. Mit einer langen Stange vom Boden aus kannst du untere Modulreihen vorsichtig freischieben, wenn es gefahrlos erreichbar ist. Alles andere: lassen. Die Anlage überlebt den Schnee problemlos, die Statik ist für Schneelasten nach DIN ausgelegt. Was du nicht machen solltest, ist mit einem Besen auf ein nasses Schrägdach zu steigen.

Ein Sonderfall sind große Schneemassen bei flach montierten Modulen oder auf Carports. Wenn du dort räumen willst, dann nur mit weichem Gerät und nie mit der Schaufelkante direkt auf dem Glas. Kratzer auf dem Glas kosten dich langfristig mehr Ertrag als der geräumte Schnee bringt. Details zur schonenden Behandlung findest du im Beitrag PV-Anlage reinigen.

Verschattung im Winter unterschätzen fast alle

Das ist der Punkt, den ich am häufigsten sehe: Ein Baum, der im Juni keinen Schatten aufs Dach wirft, wirft im Dezember sehr wohl einen. Die Sonne steht so tief, dass Gebäude, Schornsteine, Gauben und Bäume plötzlich Schatten auf Flächen legen, die im Sommer völlig frei sind.

Bei einer Anlage mit String-Verschaltung kann ein einzelner verschatteter Bereich den ganzen String herunterziehen. Wenn deine Anlage im Winter auffällig wenig bringt, obwohl die Sonne scheint, lohnt ein Blick auf die Momentanwerte am Wechselrichter um die Mittagszeit. Zeigt ein String deutlich weniger als der andere, ist häufig ein Wanderschatten die Ursache. Ein Solarkataster gibt dir eine erste Einschätzung, mehr dazu im Beitrag Solarkataster Bayern.

Was der Winter für die Amortisation bedeutet

Der Winter ist nicht nur Ertragsfrage, sondern auch Verbrauchsfrage. Wärmepumpe, mehr Licht, mehr Zeit drinnen: Der Strombedarf steigt genau dann, wenn die Sonne am wenigsten liefert. Das ist der strukturelle Nachteil jeder PV-Anlage in unseren Breiten, und er lässt sich nicht wegdiskutieren.

Interessant wird es, wenn du einen Speicher hast. Im Winter ist der Speicher oft schon am frühen Nachmittag voll und bleibt es bis zum Abend, weil kaum noch nachgeladen wird. Das klingt gut, bedeutet aber: Der Speicher arbeitet im Winter deutlich weniger Zyklen als im Sommer. Wer die Speichergröße plant, sollte deshalb nicht nur den Sommerfall rechnen. Mehr dazu im Beitrag Photovoltaik Speicher sinnvoll.

Der ehrliche Blick auf die Jahresbilanz: Wer im Winter 15 Prozent Ertrag hat, produziert 85 Prozent in den anderen acht Monaten. Die Anlage muss also im Sommer so viel Überschuss erwirtschaften, dass sie den Winter mitfinanziert. Genau das ist der Grund, warum die Einspeisevergütung für viele Anlagen nur ein Nebeneinkommen ist und der Eigenverbrauch im Sommer den Unterschied macht.

Praxis-Check: Was du im Winter tun kannst

Mein Fazit

Photovoltaik im Winter ist kein Ärgernis, sondern eine Frage der Erwartung. Die Anlage liefert in den vier Wintermonaten etwa ein Fünftel des Jahresertrags, der Dezember ist der Schwachpunkt, und Schnee auf dem Dach ist meistens ein kosmetisches und kein technisches Problem. Wer das weiß, spart sich teures Räumen und unnötige Sorgen.

Spannend wird es, wenn du deine konkreten Zahlen kennst. Die wenigsten wissen, dass der Unterschied zwischen einem guten und einem mittelmäßigen Winter weniger am Wetter hängt als an Ausrichtung, Verschattung und der Frage, wann du deinen Strom verbrauchst.

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