PV-Repowering 2026: Alte Module tauschen und Ertrag verdoppeln
Auf Deutschlands Dächern hängen zehntausende Anlagen aus den Jahren 2005 bis 2012. Die Module sind noch dicht, der Wechselrichter zickt, und der Ertrag liegt zehn Prozent unter dem, was auf dem Datenblatt stand. Die Frage, die mir dieses Jahr am häufigsten gestellt wird: Runter damit oder drauflassen?
Die kurze Antwort: Wenn die Montageschienen noch gut sind, ist ein Modultausch oft die günstigste Kilowattstunde, die du auf einem bestehenden Dach erzeugen kannst. Die lange Antwort hat drei Fallstricke, an denen viele scheitern.
Was Repowering überhaupt bedeutet
Repowering heißt: Du tauschst Teile einer bestehenden Anlage, ohne die Anlage komplett neu zu bauen. In der Praxis sind das drei Varianten:
- Nur Wechselrichter: Der Klassiker nach 12 bis 15 Jahren. Kostet 1.200 bis 2.000 Euro, bringt 2 bis 4 Prozent mehr Ertrag, weil moderne Geräte einen höheren Wirkungsgrad und ein besseres Schattenmanagement haben.
- Nur Module: Wenn das Dach und die Unterkonstruktion gut sind. Alte Module mit 12 bis 14 Prozent Wirkungsgrad weichen Modulen mit 21 bis 22 Prozent. Auf derselben Fläche landet man fast beim doppelten Ertrag.
- Alles neu außer dem Dach: Module, Wechselrichter, oft auch die Unterkonstruktion. Wirtschaftlich am interessantesten, wenn die Anlage ohnehin aus der Förderung fällt.
Der Rechenkern: Fläche gegen Leistung
Eine typische Anlage von 2008 hatte 5 kWp auf rund 40 Quadratmetern. Heute passen auf dieselbe Fläche mit 450-Watt-Modulen etwa 9 bis 10 kWp. Dazu kommt, dass moderne Module bei diffusem Licht und Hitze deutlich besser arbeiten.
| Kennzahl | Anlage 2008 | Repowering 2026 |
|---|---|---|
| Leistung auf 40 qm | 5,0 kWp | 9,5 kWp |
| Spezifischer Ertrag | 870 kWh/kWp | 980 kWh/kWp |
| Jahresertrag | 4.350 kWh | 9.310 kWh |
| Eigenverbrauchsquote ohne Speicher | 25 Prozent | 35 Prozent |
Das ist keine Verdopplung der Förderung, aber eine Verdopplung der Möglichkeiten. Und genau da liegt der Punkt, an dem viele die Rechnung falsch aufziehen.
Fallstrick 1: Die 20-Prozent-Regel im EEG
Das EEG erlaubt es, eine bestehende Anlage durch Modultausch zu modernisieren, ohne den Förderanspruch der Altanlage zu verlieren, solange die Leistung nicht zu stark wächst. Die Grenze liegt bei 20 Prozent der ursprünglichen Leistung. Wird sie überschritten, gilt der zusätzliche Teil als neue Anlage und bekommt die aktuelle, deutlich niedrigere Einspeisevergütung.
Konkret: Eine Anlage mit 5 kWp darf auf 6 kWp wachsen und behält die alte Vergütung. Baust du 9,5 kWp drauf, sind 3,5 kWp Neuanlage. Das kann trotzdem sinnvoll sein, aber es ist eine andere Rechnung, und du musst sie vorher machen, nicht hinterher.
Wichtig: Die Förderdauer verlängert sich durch Repowering nicht. Wer eine Anlage aus 2010 hat, dessen 20 Jahre laufen 2030 aus, egal wie neu die Module sind. Wer das nicht weiß, wundert sich zwei Jahre später.
Fallstrick 2: Anlagen ohne Förderung sind ein anderer Fall
Für Anlagen, deren EEG-Zeitraum 2026 oder 2027 endet, gibt es keine Einspeisevergütung mehr. Der Netzbetreiber nimmt den Strom noch ab, zahlt aber nur den Börsenwert abzüglich Vermarktungskosten. Je nach Monat sind das null bis vier Cent pro Kilowattstunde. Bei negativen Preisen kannst du sogar draufzahlen, dazu mehr im Artikel zu negativen Strompreisen.
In dieser Lage kippt die Logik: Einspeisung ist fast wertlos, Eigenverbrauch ist alles. Jede Kilowattstunde, die du selbst verbrauchst, spart dir 35 bis 40 Cent Netto-Strompreis. Deshalb ist bei Altanlagen ohne Förderung das Repowering meist die klar bessere Option als Weiterbetrieb, vor allem in Kombination mit einem Speicher. Was das bringt, steht im Artikel PV-Speicher nachrüsten.
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Jetzt PV-Rendite berechnen auf solarsparcheck.deFallstrick 3: Dach, Statik und Unterkonstruktion
Das ist der Punkt, an dem ich die meisten Projekte scheitern sehe. Neue Module sind pro Quadratmeter schwerer als die alten, weil mehr Zellen und größere Rahmen auf dieselbe Fläche kommen. Bei einem 20 Jahre alten Ziegeldach mit einer Unterkonstruktion aus der Zeit ist die Frage nicht, ob die Schienen halten, sondern wie lange das Dach darunter noch hält.
- Dachalter über 25 Jahre: Dachdeckerei mit ins Boot holen, bevor die Module runter sind. Wenn ohnehin neu eingedeckt werden muss, ist das der Moment.
- Dachhaken und Schienen: Bei Aluminiumschienen lohnt der Blick auf Korrosion an den Auflagepunkten. Edelstahlhaken aus der Zeit sind meist unauffällig.
- Statik: Bei Flachdach und Aufständerung ist die Dachlast ein Thema, bei Schrägdach selten. Im Zweifel Statiker fragen, nicht den Solarteur.
- Strings und Verkabelung: Die alten DC-Kabel sind oft noch in Ordnung, aber Stecker und Überspannungsschutz gehören geprüft. Ein neuer Wechselrichter mit alten Steckern ist eine schlechte Idee.
Was ein Repowering 2026 kostet
Realistische Preise für ein Einfamilienhaus, Schrägdach, bestehende Unterkonstruktion, inklusive Montage und Anmeldung:
| Variante | Leistung | Kosten |
|---|---|---|
| Nur Wechselrichter | 5 kWp | 1.200 bis 2.000 Euro |
| Module tauschen, WR bleibt | 5 auf 6 kWp | 4.500 bis 6.000 Euro |
| Module und WR neu | 5 auf 9,5 kWp | 9.000 bis 12.500 Euro |
| Komplett inkl. Unterkonstruktion | 5 auf 9,5 kWp | 12.000 bis 16.000 Euro |
Dazu kommt: Für den Austausch von Modulen und Wechselrichter fällt keine Umsatzsteuer an, die Null-Prozent-Regel gilt auch bei Repowering. Handwerkerleistungen für Montage sind dagegen normal mit 19 Prozent dabei, davon kannst du aber 20 Prozent über die Handwerkerleistung in der Steuererklärung absetzen. Zum Thema Abschreibung lohnt der Blick in PV-Anlage Steuer absetzen.
Wann ich abrate
Es gibt drei Konstellationen, in denen ich vom Repowering abrate, auch wenn der Solarteur es gerne verkauft:
- Die Anlage läuft noch gut und hat hohe Vergütung. Wer 2009 gebaut hat, bekommt über 40 Cent pro Kilowattstunde. Da tauschst du nichts, solange der Wechselrichter läuft. Ein neuer Wechselrichter für 1.500 Euro ist die bessere Investition als 10.000 Euro für neue Module mit halbierter Vergütung.
- Das Dach ist in fünf Jahren fällig. Dann zweimal Gerüst, zweimal Montage. Warte und mach es in einem Zug.
- Die Fläche ist ohnehin voll. Wer schon 15 kWp auf dem Dach hat und alles einspeist, gewinnt durch mehr Leistung wenig, wenn die Einspeisung kaum Geld bringt. Da ist ein Speicher oder ein anderes Verbrauchsprofil die bessere Idee.
Was du vor dem Angebot klären musst
Vier Dinge, die ich vor jedem Repowering schriftlich haben will, weil sie später teuer werden:
- Die alte Anlagenleistung laut Marktstammdatenregister, nicht laut Angebot von damals. Davon hängt die 20-Prozent-Grenze ab.
- Das Enddatum der alten Förderung, inklusive Monat. Steht im EEG-Vergütungsbescheid des Netzbetreibers.
- Die Zusage, dass die Anmeldung im Marktstammdatenregister und beim Netzbetreiber im Preis enthalten ist. Repowering ist eine Änderung, die gemeldet werden muss, sonst gibt es Ärger mit der Vergütung.
- Ein Ertragsgutachten für die neue Belegung, keine Schätzung. Bei Verschattung durch Bäume oder Kamine ist das der Unterschied zwischen 900 und 750 kWh pro kWp.
Wenn diese vier Punkte stehen, ist Repowering eine der renditestärksten Maßnahmen am Haus. Wenn nicht, kaufst du dir eine neue Anlage zum Preis einer neuen Anlage und lässt die alte Förderung liegen. Der Unterschied liegt selten in der Technik, fast immer in der Vorbereitung.
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